Am Freitag 29.9. hat Automic die brandneue Version 12.1 veröffentlicht. Noch nie wusste ich über ein Release zum Release-Datum so viel wie dieses Mal, denn Automic hat vorab in zahlreichen öffentlichen und internen Events sehr gut darüber informiert.

Wie schon bei der V12.0 reicht ein Blogartikel nicht aus, um alle Neuerungen zu besprechen, deshalb starte ich mit diesem Blogpost eine kurze Serie zur V12.1

In diesem ersten Teil werfe ich einen Blick auf die Neuerungen und Änderungen im Automic Web Interface (AWI).

Release Highlights

In der Automic Dokumentation gibt es wieder eine sehr gute Übersichtsseite über die wichtigsten Neuerungen, genannt “Release Highlights”. Sie finden diese für V12.1 unter diesem Link.

AWI Verbesserungen

Schon in V12.0 sollte das AWI das alte Java User Interface (JUI) ablösen. Im AWI wurden viele Features umgesetzt, die es im JUI nicht gibt, z.B. Centralized Agents Upgrade, Service Level Management, oder Dashboard-Objekte. Allerdings brauchte man für einige Tasks immer noch das JUI. Deshalb konnte man sich das JUI auch noch auf der Automic Downloadseite herunterladen. In der Automic Community gibt es einen Versuch, alle Features aufzulisten, die im AWI V12.0 noch gefehlt hatten.

Das AWI in V12.1 schließt diese Lücke, es enthält nun alle Features des Java User Interfaces – so zumindest die offizielle Aussage und gleichzeitig die Begründung, warum es für V12.1 das JUI nicht mehr zum Download gibt. Schön wäre es, wenn man sich mit dem AWI V12.1 auch zu einer V12.0 verbinden könnte. Leider ist das aber nicht möglich und auch nicht vorgesehen.

Die Liste an AWI-Verbesserungenin V12.1 ist extrem lang. Es gibt viele Verbesserungen und Erweiterungen.

  • Drag&Drop funktoniert nun
  • Der Workflow-Editor wurde in einigen Punkten verbessert, beispielsweise gibt es nun die “Mini-Map” zur Navigation in großen Workflows.
  • Die detaillierte Objektsuche ist im AWI verfügbar – und besser denn je. Im Abschnitt “Advanced Search” weiter unten schreibe ich mehr dazu.
  • Man kann generierte Jobs öffnen, indem man im Kontextmenü aktiver Tasks den Menüpunkt “Open Monitor” auswählt. Und bevor Sie fragen: Ja, im AWI V12.1 haben Jobs auch einen “Monitor.
  • Die Kontextsensitive Hilfe ist implementiert. Wenn man die Hilfe beispielsweise von der Sync-Page (so heißt jetzt ja das Sync-Tab) aus öffnet, kommt man direkt zur Hilfe über die Sync-Page.
    Das funktioniert auch aus dem Script-Editor heraus, allerdings landet man nicht direkt auf der Hilfe-Seite zur markierten Script-Anweisung, wie das im JUI der Fall war. Stattdessen öffnet sich die Ergebnisseite einer Suche in der Hilfe nach dem markierten Wort. Sie brauchen also zumindest einen Klick mehr als im JUI, um Hilfe zu einer Script-Anweisung zu finden.
  • Der Script-Editor wurde überarbeitet und hat nun fast alle Features des Script-Editors des JUIs.
    Mir ist bisher nur ein fehlendes Feature im neuen Script-Editor bekannt: Wenn man ein Wort (z.B. eine Variable) markiert, werden nicht alle anderen Vorkommnisse des selben Wortes hervorgehoben.
  • Die Process Monitoring Perspektive hat nun auch eine Ampel bekommen – ähnlich wie sie der Workflow Monitor in V12.0 schon hatte.
  • Multi-Select funktioniert nun an vielen Orten, z.B. in der Process Monitoring Perspektive, um beispielsweise mehrere Aktivitäten gleichzeitig zu beenden.
    Bei Workflows funktioniert Multi-Select weder im Editor noch im Monitor.
  • Einige fehlende Menüpunkte und Kontextmenü-Einträge wurden ergänzt, z.B. die Lizenzübersicht im Administrationsbereich, oder der “Send To” Eintrag im Kontextmenü.
  • Bei den “Einstellungen” kann man nun die Schriftgröße und Refresh-Intervalle einstellen.

Neben diesen Highlights gibt noch mehr Änderungen und Verbesserungen im AWI – schließlich soll es ja alles können, was das Java User Interface auch konnte. Eine vollständige Liste finden Sie, wie oben schon erwähnt, in den Automics Release Highlights.

 

In V12.1 muss man sich schon ein bisschen mehr anstrengen, um Features aus dem JUI zu finden, die im AWI noch fehlen, aber es gibt sie selbstverständlich noch – denn das JUI hat sich über 20 Jahre hinweg entwickelt. Da gibt es auch ein paar „exotische” Features, die es so im AWI sicher nicht so bald geben wird.

Was in der V12.1 fehlt:

  • Key Shortcuts
    Es gibt vereinzelt Key Shortcuts im AWI (z.B. Strg-S zum Speichern von Objekten, oder Ctrl-Z im Script Editor um Änderungen rückgängig zu machen).
    Key Shortcuts sind nützlich zum schnellen Arbeiten und ich würde es sehr begrüßen, wenn das AWI mehr Shortcuts anbieten würde – auch wenn das bei Web Applikationen vermutlich etwas schwieriger ist als bei nativen Applikationen.
  • CPIT
    Aus meiner Sicht ist das Cockpit-Objekt zwar ein bisschen exotisch (d.h. ich verwende es selten), aber ich weiß, dass das nicht jeder so sieht.
    Seit V12.0 wird dieses Objekt nicht mehr unterstützt.
    Statt des Cockpits ist ab V12.1 laut oben genanntem Link das neue ” Analytics and Reporting for External Data” Feature von V12.1 zu verwenden. Das ist meiner Meinung nach ein mehr als nur adäquater Ersatz für das langweilige 80er-Style Cockpit Objekt, denn dieses neue Feature kann viiieeeel mehr als das CPIT. Es ist der Ersatz für das frühere „Predictive Analytics“ AddOn.
    Technisch handelt es sich dabei um einen neuen Widget-Typ für Analytics, das sogenannte „VARA to Chart“ Widget. Ich werde in einem späteren Blogpost mehr darüber schreiben.
    Dieses neue Feature ist lizenzpflichtig. Ich finde es etwas seltsam ein kostenloses durch ein kostenpflichtiges Feature zu ersetzen – vielleicht ist aber eine größere Menge vorhandener CPIT-Objekte eine gute Verhandlungsbasis für eine kostengünstige Lizenz.

  • Multi-Window Support
    Wenn ich mit dem JUI Abbrüche in komplexen Abläufen analysieren muss, dann kommt es sehr häufig vor, dass ich mehrere Workflowmonitore, Statistikfenster, Detailfenster und Reports nebeneinander öffne, um RunIds und andere Informationen zu vergleichen.
    Ich musste so etwas mit dem AWI noch nie machen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass mir dabei der Umstieg schwer fallen könnte. Als Workaround würde ich wohl mehrere, parallele Sessions öffnen – was aber auch mehrere User-Lizenzen kostet.
    Das Report-Fenster im AWI hat – genauso wie das Meldungsfenster – die superpraktische Fähigkeit, dass es aus dem Browserfenster in ein eigenes Fenster “abklippen” kann. Genau das würde ich mir für so ziemlich jedes Fenster wünschen. Mal schauen, ob es auf ideas.automic.com diese Idee zur Produktverbesserung schon gibt …
  • Verwendete Tabs
    Im JUI werden bei einem Objekt nur die wichtigsten Tabs angezeigt, alle anderen werden ausgeblendet solange sie keine Daten enthalten.
    So sieht man beispielsweise bei einem Job sofort, ob er Daten im standardmäßig angezeigten Sync-Tab hat.
    Das AWI zeigt immer alle Tabs an und man muss sich durchklicken um zu sehen, ob etwas eingetragen ist. Sinnvoll wäre eine Kennzeichnung, ob der Tab Daten enthält oder nicht.
  • Lästige, kleine Details
    Das AWI ist relativ jung, und Automic hat es geschafft, in sehr kurzer Zeit ~99,9% der Funktionen ihres mächtigen Java Client in ein modernes, neues Web-Interface zu integrieren. Dass dabei ein paar lästige, kleine Details noch nicht passen, sollte niemanden überraschen.
    Eines davon möchte ich hier beispielhaft erwähnen: Im Workflow Monitor sieht man den Agent nicht mehr. Es gibt die sehr praktische “hierarchische Ansicht” im Workflow Monitor, aber leider bietet sie nur wenige Spalten zur Auswahl an – mir fehlt hier der Agent.

Bevor ich zum nächsten Thema komme, hier noch ein kleiner Installationstipp: Denken Sie daran, dass Sie zukünftig ohne AWI nicht mehr auf Ihre Automation Engine zugreifen können. Installieren Sie daher unbedingt irgendwo einen Notfall-Webserver für den Zugriff auf das AWI, am besten direkt auf dem Server mit der AE. Diesen aktivieren Sie im Notfall, wenn der Haupt-Webserver ausfällt, damit Sie als Admin noch auf die AE zugreifen können.

Advanced Search

Einer der großen Punkte, die im AWI in V12.0 noch fehlten, war die Objektsuche.

Die einzige Objektsuche, die das AWI in V12.0 hatte, war die sogenannte “Globale Suche”, deren Funktionsumfang dem QuickSearch des JUIs glich.

Der Vorteil des “Global Search” im AWI gegenüber des Quick Search im JUI: es wird ein Suchindex basierend auf Apache Lucene verwendet.

Der Nachteil: Es war bisher nur möglich, nach Objektnamen zu suchen.

Also: Bessere Technologie, weniger Funktionalität.

V12.1 schließt hier die funktionale Lücke, es gibt nun den Advanced Search. Der verwendet ebenfalls den Suchindex, erlaubt aber eine detaillierte Filterung nach diversen Kriterien.

Leider ist er nicht nahtlos in den “Global Search” integriert. Wenn Sie beispielsweise alle Objekte suchen, die in den Archive Keys den String “AEWIN1” enthalten, reicht es leider nicht, “AEWIN1” in die globale Suche einzugeben. Das Suchfenster der “Global Search” durchsucht weiterhin nur Objektnamen.

Um zum Advanced Search zu gelangen klicken Sie in das Suchfenster der globalen Suche. Wenn Sie dort nichts eingeben, erscheint der Link zum Advanced Search.

Wenn Sie einen Suchbegriff eingeben und auf den Link mit der Anzahl gefundener Elemente klicken, gelangen Sie ebenfalls zum Advanced Search.

Der Advanced Search ist in die Filterleiste am rechten Rand integriert.

Wie in der Process Monitoring Perspektive können Sie auch hier Filter definieren und für den späteren Gebrauch abspeichern. Sehr cool!

Die Filtermöglichkeiten entsprechen fast denen des JUIs, einzig nach RA Werten kann man hier nicht suchen.

Damit haben wir quasi den Leistungsumfang der Objektsuche des JUIs, nur viel performanter und schneller und besser, weil sie nicht mehr die DB belastet, sondern den Suchindex verwendet.

Der Advanced Search ist eng verbunden mit einem anderen, neuen Feature der Version 12.1: Dem REST API für die AE. Man kann auf den Advanced Search nur mit dem REST API zugreifen und auch das AWI verwendet für dieses Feature die REST API. Daher kann man auch mit dem Java API den Advanced Search nicht verwenden.

Fazit

Mit dem Advancd Search haben wir für die Objektsuche im AWI also nun bessere Technologie und dieselbe Funktionalität wie im JUI. Das ist toll, aber ist es ein Grund zu überschwenglicher Freude?

Ich muss gestehen, hier bin ich ein klein wenig enttäuscht, denn ich war mit dem Funktionsumfang der Objektsuche im JUI nie so richtig zufrieden. Ich hätte mir gewünscht, dass das AWI für die Objektsuche mehr Felder anbietet als das JUI. Leider ist das nicht der Fall.

Außerdem hätte ich mir gewünscht, dass das “Global Search” Feld direkt auf den ganzen Index zugreift. Das ist mit Lucene möglich, wie Amazon beweist: Ich kann dort im Suchfeld “Arnold Schwarzenegger” eingeben und finde alle Filme in denen er mitspielt, ohne vorher zu spezifizieren, dass ich nach Filmen suche, wo einer der Schauspieler diesen Namen trägt.

Aber das AWI ist in V12.1 richtig gut, auch die Performance ist spürbar besser als in V12. Mir fällt so spontan kein Use-Case ein, den ich mit dem AWI nicht lösen könnte, aber mit dem JUI schon.

Noch oft werde ich mir bei der Arbeit mit dem AWI denken “Ach, mit dem JUI wäre das jetzt aber schneller gegangen”. Aber ehrlich gesagt denke ich mir das oft auch umgekehrt, wenn ich auf einer V10 oder V11 etwas im JUI machen muss.

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