Für viele Automic-Kunden ist es gerade ein ganz großes Thema: In der neuesten Version wird das Java UI nicht mehr unterstützt. Stattdessen läuft jetzt alles über das Automic Web Interface (AWI), ein browsergestütztes Interface, das benutzerfreundlicher und gleichzeitig in vielerlei Weise auch mächtiger ist, als das alte.

Damit in den kommenden Versionen noch besser auf die Bedürfnisse der Nutzer eingegangen werden kann, führt Automic aktuell eine Umfrage durch. Aus diesem Anlass hatte ich die Chance mit Sandra Dietinger (User Experience Designerin) und Tobias Stanzel (Produkt-Manager) von Automic zu reden und sie ein wenig über das AWI und dessen Zukunft zu befragen.

Update:In der Zwischenzeit ist die Umfrage beendet und wir können abwarten, welche Konsequenzen Automic aus den Ergebnissen zieht.

Philipp Elmer: Es ist ja in aller Munde, zumindest bei euren Kunden: Das AWI ersetzt das Java UI. Für viele eurer Kunden ist das gerade ein brennendes Thema, weil sie auf eine neue 12er Version wechseln.
Mein persönlicher Eindruck vom AWI der V12.1 ist sehr positiv, ich sehe eher die Vorteile als die Kritikpunkte.
Trotzdem würde ich von euch gerne zunächst wissen, warum sich Automic überhaupt zu dem Schritt entschlossen hat, das Java UI schon komplett abzulösen?

Tobias Stanzel: Ein Hauptgrund ist zweifellos die Möglichkeit zur zentralen Verwaltung des AWI. Dadurch wird die Wartung bei vielen Mitarbeitern deutlich vereinfacht.
Wir wollten das Interface ins Web bringen, so dass wir unsere Software langfristig auch als Hosted Service anbieten können. Mit einem reinen Offline-Client wäre das nicht möglich gewesen.
Auch die User-Experience hätten wir mit dem alten Interface nicht auf das gewünschte Level bringen können.

Philipp Elmer: Das Web-Interface ist ja Software, daran arbeiten also Entwickler. Unser Thema heute ist aber die Usability und User-Experience. Wie ist die Zusammenarbeit dieser unterschiedlichen Abteilungen organisiert?

Sandra Dietinger: Wir arbeiten agil, deshalb arbeiten wir sehr stark mit den Entwicklern zusammen. Bei der Arbeit nach klassischem Wasserfall-Prinzip, würden wir den Entwicklern erst das fertige Design schicken. So arbeiten wir nicht. Die Entwickler sind von Anfang an am Prozess beteiligt.
So können wir kreativ Ideen entwickeln und gleichzeitig sicherstellen, dass wir keine Ideen aus der Luft greifen, die nicht umsetzbar sind.

Tobias Stanzel: Auch Produkt-Management und Produkt-Design spielen in dem Prozess mit. Zum Beispiel beim Identifizieren von Kunden-Problemen. Die untersuchen zunächst mit UX-Methoden das Problem und kommunizieren dann mit Developern und Engineers. Meistens wird zunächst ein Prototyp erstellt, den wir dann mit den Endanwendern besprechen, die das Problem gemeldet haben.

Sandra Dietinger: Und das Feedback der Kunden bringen wir dann wieder den Entwicklern, so dass die auch möglichst nahe an den Endanwendern dran sind.

Philipp Elmer: Die Umstellung des User Interfaces für so eine große Software ist ja eine riesige Sache. Wie habt ihr euch organisiert, um das neben der normalen Weiterentwicklung und Wartung eurer Produkte umzusetzen?

Tobias Stanzel: Das war wirklich eine große Aufgabe. Wir haben weiterentwickelt, weitere Funktionen eingebaut und parallel mussten die Funktionen der letzten 15 Jahre nachgebaut werden.
Um das zu stemmen, haben wir auf externe Teams zurückgegriffen. Einige Teams haben Weiterentwicklung betrieben – und mussten dann immer gleich auch für das AWI entwickeln. Und andere Teams waren nur dafür zuständig, die alten Bereiche zu überführen.
Manche der Teams sind jetzt immer noch dabei und reagieren auf Kunden-Feedback.

Philipp Elmer: Mit der Version 12.1 ist das AWI vom Funktionsumfang ungefähr da, wo das Java UI war. Aber eben noch nicht zu 100%. Es kann eben noch nicht alles, was das Java UI konnte.
Trotzdem habt ihr euch dazu entschieden, das Java UI in der V12.1 nicht mehr zu supporten. Warum?

Tobias Stanzel: Um die ganze Energie ins AWI stecken zu können. Wir wollen das AWI so schnell wie möglich dorthin bringen, wo wir es uns vorstellen. Mit zweigleisigem Vorgehen wäre das nicht möglich.

Philipp Elmer: Was sind denn aus UX Sicht die wichtigsten Vorteile des AWI gegenüber dem Java UI?

Sandra Dietinger: Die Global Search ist sehr mächtig und sehr schnell. Man findet mit ihr nicht nur Objekte, sondern auch Tasks und Activities. Und man kann direkt aus der Search Aktionen ausführen.
Wir haben auch versucht, Dinge einfacher zu gestalten, zum Beispiel den Kalender. Viele Kunden lassen ihre Kalender von Consultants vorbereiten und benutzen sie danach nur. Wir wollten erreichen, dass Kunden Kalender einfacher selbst anwenden können.
Außerdem haben wir viel an der Performance des Workflow Editors gearbeitet. Wir unterstützen jetzt sehr viele Agents, bis zu einer halben Million. Da werden viele Daten geladen, das muss das UI stemmen können.

Philipp Elmer: Wie sieht eigentlich die Roadmap für die Zukunft aus? Welche AWI Themen sind derzeit in Arbeit und welche Verbesserungen werden mit der V12.2 kommen?

Tobias Stanzel: Das genaue Ranking dafür weiß ich aktuell leider nicht. Wir sind noch dabei Kunden-Input zu sammeln und zu verarbeiten. Noch vor der V12.2 werden auf jeden Fall einige kleine Fehler direkt in Servicepacks behoben.
Außerdem arbeiten wir an der Performance des Workflow Editors und an der Massenbearbeitung auf der Workflow-Ebene. Damit kann man zum Beispiel Teile eines Workflows ausschneiden und in einen anderen einfügen. Multi-Select für Workflow-Tasks.
Auch in die Richtung Monitoring und Operating haben wir viel Input bekommen. Kunden, die mehrere Applikationen gleichzeitig überwachen wollten, haben das früher im Rich Client über das Tabbing System gemacht. Jetzt gibt es dafür Browser-Tabs und verschiedene Seiten im Dashboard, aber eben noch keine optimale Lösung.
Bei Benachrichtigungs-Objekten, also Call-Objekten, unterstützt das AWI bisher keine aktive Alarmierung, die der User mitbekommt, wenn er gerade nicht mit dem AWI arbeitet. Wir arbeiten aber daran, dass solche Benachrichtigungen über Browser-Notifications angezeigt werden.

Philipp Elmer: Bisher zielt ihr beim AWI ja hauptsächlich darauf, die Lücke zum Java UI zu schließen.
Ich finde, man sieht teilweise schmerzhaft, dass bis jetzt vor allem die Lücke geschlossen wurde. Zum Beispiel bei der Advanced Search. Die benutzt einen Index und ist damit theoretisch viel schneller und mächtiger, aber trotzdem vom Funktionsumfang auf das limitiert, was auch das Java UI durch die Objektsuche schon konnte.
Warum hat man bei der Advanced Search nicht einfach gesagt: Wir machen die gleich noch viel besser?

Tobias Stanzel: Ja, die Suche hat noch viel Potenzial. Wir wollten aber zuerst die alte Suche zu 100% nachbilden, weil die in viele Bereiche mit reinspielt. Von der 12.0 auf die 12.1 haben wir da schon einen großen Sprung gemacht.
Jetzt müssen wir noch ein paar Schwachstellen fixen, damit die User nicht auf Lücken stoßen oder für manche Tätigkeiten zu viele Klicks brauchen. Danach werden wir sie noch weiter ausbauen. So sind gerade die Prioritäten. Für die V12.2 ist da leider auch noch nicht viel mehr geplant.

Philipp Elmer: Um es allen Usern recht zu machen, braucht ihr sicher das Feedback von möglichst vielen Kunden. Damit sind wir beim Hauptthema des Interviews, dem Persona-Konzept. Was genau ist denn das Persona-Konzept?

Sandra Dietinger: Personas sind Beispielnutzer – keine einzelnen User, sondern eine Summierung von mehreren. Wir erstellen sie anhand gesammelter Daten von echten Automic Usern.
Wir schauen: Was sind ihre Ziele? Was sind die Frustrationen? Was gefällt ihnen? Damit wollen wir eine konkrete Vorstellung von unseren Kunden bekommen. So denkt man nicht nur aus der eigenen Perspektive, sondern bekommt mehr auch die Sicht der Kunden.
Im Fall von Automic verbinden wir das Persona-Konzept mit einem Rollen-Konzept.

Tobias Stanzel: Da gibt es zum Beispiel den 30-jährigen, technikinteressierten Operator mit zwei abgeschlossenen Studien. Dem gegenüber haben wir aber auch den Line of Business User, der sich weniger mit IT auskennt.
Wenn ich mit einem Entwicklungsteam kommuniziere, kann ich durch die Persona dem Team klar machen, für wen wir eine Lösung entwickeln müssen. Je nachdem sieht die Lösung nämlich komplett anders aus.

Philipp Elmer: Ihr habt jetzt einen Fragebogen entwickelt, um Feedback von Kunden zu bekommen. Was ist die Idee dahinter?

Sandra Dietinger: Wir hinterfragen gerade unser Rollenkonzept und wollen herausfinden, ob es der realen Welt entspricht und ob unsere Personas überhaupt dazu passen.
Mit dem Fragebogen wollen wir quantitative Daten sammeln, um zu sehen, wie die Kunden Automic verwenden.
In Checklisten geben die Teilnehmer an, welche Aktivitäten sie durchführen. Daraus leiten wir dann Rollen und Personas ab. Denn vielleicht sind die Rollen ganz anders und es gibt zum Beispiel neben Developern und Administratoren auch Allrounder.

Tobias Stanzel: Wer sicherstellen möchte, dass die nächsten Automic Versionen den eigenen Vorstellungen entsprechen, sollte auf jeden Fall an der Umfrage teilnehmen! Und wer noch weitere Anmerkungen, Probleme und Vorschläge hat, sollte sich auf jeden Fall beim PM melden.

Philipp Elmer: Das ist doch ein schönes Schlusswort. Vielen Dank euch beiden für das Interview.

Vielen Dank fürs Mitmachen!

Automic hat die Umfrage inzwischen beendet und damit angefangen, die Ergebnisse auszuwerten. Vielen Dank hier noch einmal an alle meine Leser und Leserinnen, die sich die Zeit genommen haben, um an der Umfrage teilzunehmen. Ich hoffe, eure Vorschläge und Meinungen finden Gehör.

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